Pica-Syndrom bei Katzen

Wenn die Katze plötzlich alles mögliche frisst.

Dass Katzen durchaus ihren eigenen Kopf haben und spezielle Charakterzüge entwickeln können, dürfte wohl jedem Katzenfreund hinlänglich bekannt sein. Ebenso wie die Charakterausprägung ist jedoch auch eine Charakterstörung/Verhaltensstörung bei den Fellnasen möglich, die nicht sofort von dem Katzenfreund als solche erkannt wird. Fakt ist jedoch, dass die Tiermedizin eine wahre Vielzahl von Verhaltensstörungen bei der Katze kennt. Eines dieser Verhaltensstörungen ist das sogenannte Pica-Syndrom, welches nicht sonderlich bekannt ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Pica-Syndrom bei der Katze nicht ernst genommen werden sollte. Letztlich kann eine solche Störung im Verhalten zu einer lebensbedrohlichen Situation bei der Katze führen. Aus diesem Grund sollten schon erste Symptome dieser Essstörung sehr Ernst genommen werden.

Katze mit Pica Syndrom
Wenn Katzen plötzlich an allem möglichen knabbern und ungewöhnliche Dinge fressen – Symbolfoto: Pica-Syndrom bei Katzen/Shutterstock.com

Was ist das Pica-Syndrom überhaupt?

Der Name Pica-Syndrom bezeichnet eine Verhaltensstörung der Katze, welche ihre Ursache in der Psyche oder einer Krankheit bzw. auch Mangelerscheinungen hat. Mangelerscheinungen begünstigen das Pica-Syndrom und sind daher als genaue Ursache des Pica-Syndroms eher umstritten. Der Name Pica-Syndrom ist von der lateinischen Namensgebung “Pica” für die Elster abgeleitet, da die Elster bekanntermaßen ein sammelfreudiger und auch diebischer Vogel ist und eine Katze mit dem Pica-Syndrom ähnliche Verhaltensmuster an den Tag legt. Das Pica-Syndrom äußert sich bei Katzen dahingehend, als dass die Katze für sie unverdauliche Stoffe zwanghaft in sich hineinfrisst.

Zu diesen Stoffen gehören

  • Textilien
  • Teppiche
  • Gummi
  • Plastik
  • Holz

Katzen, die unter einem Pica-Syndrom leiden, fressen sogar das Katzenstreu ihrer Katzentoilette!

Wie kann das Pica-Syndrom bei einer Katze als solches erkannt werden?

Um eine exakte Erkennung des Pica-Syndroms vornehmen zu können ist erhöhte Aufmerksamkeit unerlässlich. Es gibt Katzen, die gelegentlich mal ein Kabel oder auch Pflanzen anknabbern. Diese Katzen leiden damit nicht automatisch an dem Pica-Syndrom, da ihr Antrieb eher die Neugierde ist. Das Pica-Syndrom betrifft überdies auch eher Katzen in einem Alter von 2. bis 8. Monaten. Das Pica-Syndrom äußert sich durch ein starkes Zwangsverhalten und beginnt zumeist damit, dass die Katze Wolle frisst. Der Grund für dieses Verhalten ist rein theoretischer Natur. Es wird allgemeinhin angenommen, dass die Wolle die Katze an ihre Katzenmutter erinnert und dass aus diesem Grund das Pica-Syndrom entwickelt wird.

Es ist enorm wichtig, derartige Verhaltensmuster frühzeitig zu erkennen. Verfestigt sich das Fressverhalten der Katze, so erfolgt sehr schnell ein Wechsel auf Textilien oder andere unverdauliche Stoffe!

Die Ursachenforschung bei dem Pica-Syndrom

Verhaltensgestörte Essstörung bei Katzen
Verhaltensgestörte Essstörung bei Katzen – Lebensbedrohliches Fressen zumeist unverdaulicher Dinge – Von Olya Detry

Der Grund für das Pica-Syndrom ist nicht eindeutig geklärt. Es muss daher im Vorfeld eine genaue Unterscheidung vorgenommen werden zwischen den psychischen und den organischen Ursachen. Es gibt jedoch auch genetische Faktoren, die als Grund für das Pica-Syndrom infrage kommen können. Im Jahr 2002 wurde diesbezüglich eine Studie unternommen. Die Studie ergab, dass gewisse Katzenrassen weitaus anfälliger für das Pica-Syndrom sind als andere Katzenrassen. Die Siam-Katzen sowie die Burma-Katzen sind mit 55 Prozent bzw. 28 Prozent besonders anfällig für diese Verhaltensstörung.

Sollte das Pica-Syndrom psychische Ursachen haben so sind Stress oder Langeweile die Hauptfaktoren. Eine Änderung in den Lebensumständen der Katze kann sehr schnell zu Stress führen. Ebenso verhält es sich mit einem Wechsel des Besitzers oder sonstige Änderungen in den gewohnten Lebensumständen. Das Pica-Syndrom kann jedoch von einer Katze auch entwickelt werden, damit Frauchen oder Herrchen ihr mehr Aufmerksamkeit schenkt. Ebenso kann eine zu frühzeitig erfolgte Trennung von der Mutter oder ein verfrühtes Abstillen zu dem Pica-Syndrom führen. Trennungsängste oder auch eine überaus abnormale Bindung zu Frauchen oder Herrchen können das Pica-Syndrom begünstigen.

Sollten organische Ursachen für das Pica-Syndrom vermutet werden, so muss die Katze auf gewisse Mangelerscheinungen wie

  • Eisenmangel
  • Leber- sowie Nierenschäden

untersucht werden. In diesem Fall sollte die Nahrung des Tieres überprüft werden, damit der Mangel durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden kann.

Worauf sollte geachtet werden?

Die Katze, die an einem Pica-Syndrom leidet, wird zwanghaft alle möglichen Dinge fressen.

Diese Dinge können sein

  • Fäden oder Schuhbänder
  • Stoffe
  • Gummiprodukte
  • Pappe oder Papier
  • Klebebänder
  • Holzprodukte
  • Katzenstreu

Dieses Wissen ist im Hinblick auf die Behandlung des Pica-Syndroms enorm wichtig, da ja zunächst erst einmal die Ursache für die Verhaltensstörung herausgefunden werden muss. Die Behandlung richtet sich sehr stark nach der Ursache für das Pica-Syndrom und sollte von dem Katzenfreund in Verbindung mit dem Tierarzt sehr genau kontrolliert werden.

Wie wird das Pica-Syndrom behandelt?

Eine Behandlung des Pica-Syndroms erfolgt schrittweise, wobei zunächst erst einmal alle unverdaulichen Stoffe aus der Reichweite der Katze geschafft werden sollten. Der fortgesetzte Verzehr von unverdaulichen Stoffen schadet nicht nur der Gesundheit der Katze, es können auch schwerwiegende Unfälle oder gar schlimme Folgeerkrankungen wie Darmverschlüsse daraus resultieren. Da es sich in einem normalen Haushalt als sehr schwierig erweist, die unverdaulichen Stoffe vor einer Katze zu verstecken gibt es diesbezüglich gewisse Hilfsmittel wie Substanzen, die von einer Katze als überaus unangenehm empfunden werden. Die unverdaulichen Stoffe sollten von dem Katzenfreund mit diesen Substanzen eingerieben oder eingesprüht werden. Ein probates und effektives Mittel hierfür ist das Katzen-Fernhaltespray.

Sollte die Ursache für das Pica-Syndrom psychischer Natur sein, so kann durch eine Stressreduzierung schon ein guter Erfolg erzielt werden. Die Katze muss in dieser Zeit mit sehr viel Aufmerksamkeit bedacht werden und auch genügend Spielmöglichkeiten bekommen.

Durch Spielzeug lässt sich sowohl der Stress reduzieren als auch die Langeweile bekämpfen. Eine Katze mit einem Pica-Syndrom sollte jedoch niemals unbeaufsichtigt spielen!

Eine Änderung des Futters kann ebenfalls bei einem Pica-Syndrom gute Ergebnisse erzielen. Es empfiehlt sich dabei auf Futter umzusteigen, welches einen enorm hohen Rohfaser-Anteil aufweist. Trockenfutter ist hierfür sehr gut geeignet, allerdings sollte dieses Futter dem natürlichen Futter des Tieres entsprechen. Durch große Fleischbrocken oder auch Hühnerhälse bekommt die Katze bei der Nahrungsaufnahme eine zusätzliche Beschäftigung und durch eine gute Verteilung des Futters über den ganzen Tag hinweg wird der Katze auch genügend Abwechslung geboten.

Das Futter sollte der Katze nicht bloß in einem Napf serviert werden. Vielmehr ist es für die Katze weitaus interessanter, wenn das Futter in der ganzen Wohnung verteilt wird.

Mit speziellem Spielzeug, welches Nahrung enthält, kann dem Pica-Syndrom ebenfalls sehr wirksam beigekommen werden. Wichtig ist allerdings, dass der Katzenfreund das Verhalten der Katze auch weiterhin im Auge behält und sich bei der Behandlung nicht allein auf die Maßnahme an sich verlässt. Eine Katze, die an einem Pica-Syndrom leidet, kann diese Verhaltensstörung auch jederzeit wieder entwickeln. Eine abschließende Heilung des Syndroms gibt es nicht, sodass der Katzenfreund seine Fellnase mit diesem Problem dementsprechend auch nicht allein lassen sollte.

Weiterführende Literatur zu Verhaltensstörungen bei Katzen

Bestseller Nr. 1 Katzensprache: Kätzisch für Zweibeiner
Bestseller Nr. 2 Verhaltensprobleme bei der Katze: Von den Grundlagen bis zum Management, Zusatzmaterial online: Infoblätter für Patientenbesitzer. (Reihe TFA-Wissen)
Bestseller Nr. 3 Tipps von der Katzenflüsterin: Wie wir unsere Katze besser verstehen und sie dazu bringen, zu tun, was wir wollen
Bestseller Nr. 4 Ganzheitliche Verhaltenstherapie bei Hund und Katze
Bestseller Nr. 5 Katzensprache: Schritt für Schritt verstehen lernen (GU Tier Spezial)
Bestseller Nr. 6 Der Katzenflüsterer: Für ein glückliches Katzenleben
Bestseller Nr. 7 Wohnungskatzen: Wohlfühl-Basics für kleine Tiger (GU Tierratgeber)
Bestseller Nr. 8 Katzen-Clicker-Box: Plus Clicker für  sofortigen Spielspaß (GU Tier-Box)
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Letzte Aktualisierung am 4.09.2019 um 18:12 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API